Ich bin süchtig

Okay, ich geb’s zu – ich leide derzeit unter Kontrollwahn. Nein, nicht Freund oder Kids – mich selbst kontrolliere ich von früh bis spät. Schlafe ich gut, bewege ich mich genug, wie oft bin heute schon Stiegen rauf und runter. Ich habe zum Geburtstag eine Fitbit Versa bekommen. Jetzt weiß ich also, ich bin heute schon über 7500 Schritte gegangen, habe 1200 Kalorien verbrannt und mit 7 Stunden und 4 Minuten perfekt geschlafen.

Tatsache: Seit ich dieses neue Spielzeug habe, schaue ich auf mein Handy, das über Bluetooth mit der Uhr verbunden ist, um festzustellen, ob ich gut oder schlecht geschlafen habe, anstatt einfach 30 Sekunden drüber nachzudenken. Ist das gut. Ich weiß es noch nicht, aber es macht süchtig und könnte in Zukunft einiges bringen. Noch ist die digitale Selbstvermessung mehr Spiel als therapeutischer Ernst. Aber datenbasierte Medizin ist wohl die Zukunft wird vor allem Menschen mit chronischen Krankheiten helfen. Überall dort, wo regelmässig erhobene Daten die Therapie beeinflussen, wird das Self-Tracking Vorteile bringen. Sei es, weil man mehr Selbstverantwortung übernehmen kann und weniger oft zum Arzt gehen muss. Oder weil das häufigere Messen und der Datenaustausch mit dem betreuenden Arzt eine bessere Behandlung mit weniger Nebenwirkungen ermöglichen. E-Health ist ganz sicher die Zukunft, nicht nur wenn man krank ist, sondern auch um gesund zu bleiben. Laut einer aktuellen US-Umfrage nutzt bereits jeder Vierte/ jede Vierte einen Fitness-Tracker oder eine Gesundheits-App und sogar 48 Prozent würden dies tun, wenn das der Hausarzt empfiehlt. Meinem Hausarzt isses wurscht, ob ich noch 5369 Schritte gehen soll oder heute meinen Puls noch nicht 30 Minuten über 100 gepusht habe. Der meint, ich bin fit wie ein Turnschuh. Aber mich motivieren tun mich die bunten Balken auf meiner hübschen neuen Uhr trotzdem und wenn ihr über die Webcam beobachtet wie ich im Ö3 Studio plötzlich im Kreis ums Mischpult laufe, muss ich wohl noch meine 250 Schritte pro Stunde laufen. Ja, ich weiss … irgendwie bescheuert, aber es macht mir Spass und wenn der grüne Balken voll ist, kann ich danach ohne schlechtes Gewissen mein Lieblingseis beim Leonardelli holen.

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